Dokumentarfilme

Mein Anker

Wünschen Sie es ähnlich oder hübsch?

Ein Film von Renata Münzel

Dokumentarfilm, HD 16:9, 52min, 2010

Regie: Renata Münzel
Kamera: Daniel Leippert
Ton: Olivier JeanRichard
Montage: Christian Müller
Musik: Tino Marhaler
Sounddesign: Pedro Haldemann

Produzent: Ivo Kummer, Insertfilm AG
Produktionsleitung: Fränze Aerni

Albert Anker ist eine Figur beladen von Vorurteilen und ideologischen Missverständnissen. Dabei lohnt es sich, ihn heute neu zu entdecken. Die Geschichte von Ankers Leben und Werk ist auch ein Stück Schweizer Geschichte, vor dem Hintergrund der sich rasend schnell erneuernden Welt des 19. Jahrhunderts. Im Film sprechen ganz unterschiedliche Menschen über ihren Anker. Aus diesen persönlichen Meinungen entsteht das Bild eines äussert begabten, aber auch vorsichtigen Menschen, eines gebildeten Zeitzeugen, eines weltgewandten Europäers, eines Künstlers, der seine Familie standesgemäss ernähren wollte, und so immer wieder zwischen bezahlter und eigener Arbeit hin- und hergerrissen wurde.

Mediendossier

Kulturanzeiger 5.01

Wenn Anker Fixer gemalt hätte

Nach der Ausstellung nun der Film: In «Mein Anker» durchleuchtet die Aargauer Regisseurin Renata Münzel im 100.Todesjahr Leben und Werk des bedeutenden Berner Künstlers – und stösst dabei auf viel Altbekanntes.

Ankers Ururenkel Matthias Brefin erlaubt in «Mein Anker» einen Einblick in das Atelier seines berühmten Verwandten.
 

Das Überraschende kommt zum Schluss: Da werden wenig bekannte Reiseskizzen von Albert Anker eingeblendet – Aquarelle, die Hafenszenen zeigen oder ferne Städte. Ansonsten vermag der Dokumentarfilm «Mein Anker» der Aargauer Regisseurin Renata Münzel keine neuen Aspekte im Leben und Werk des Inser Künstlers zu durchleuchten. Dies liegt nicht zuletzt an der grossen medialen Aufmerksamkeit, die durch die Anker-Retrospektive im Kunstmuseum Bern ausgelöst wurde: Kein Anker-Kenner, kein Verwandter oder Kurator, der sich in den letzten Wochen nicht im Fernsehen, Radio oder in Zeitungen über den grossen Schweizer Künstler geäussert hätte. So wiederholt «Mein Anker» Zitate von Ankers Ururenkel Matthias Brefin oder vom berühmten Anker-Sammler Christoph Blocher, festgehalten von Kameramann Daniel Leippert in malerischen Bildern.

Intime Einblicke

In Interviewsequenzen mit Kulturschaffenden, die sich im Museumsraum über ihr persönliches Lieblingsbild äussern, hebt sich der Dokumentarfilm etwas ab und vermittelt ein intimes Bild. Die Dramaturgin Katja Früh erinnert sich durch «Die Genesende» etwa an ihr Bestreben als Kind, so lange wie möglich krank im Bett zu bleiben und damit der Schule fernzubleiben. Und der Illustrator Hannes Binder ruft mit «Die Turnstunde» eigene Erfahrungen aus dem Sportunterricht in Erinnerung. Diese spannenden Ausführungen sind leider eingebettet in eine stiefmütterliche Dramaturgie, die mit der Geburt Ankers 1831 einsetzt und mit dessen Tod 1910 endet – begleitet von Kommentaren der Regisseurin, die in ihrer urchigen Langsamkeit jedes vorherrschende Anker-Klischee in den Schatten stellen.

Unerwartete Filmmomente

Im krassen Gegensatz zu Renata Münzels Kommentaren stehen die Interviewsequenzen mit dem Zürcher Kunstbuchverleger und Kabarettisten Patrick Frey, der Ankers Heimatdorf Ins kurzerhand ins Berner Oberland versetzt. Er bringt nicht nur Tempo, sondern auch eine reflektierte, intellektuelle Sicht auf das Werk Ankers ein. So sinniert er etwa über die Zürcher Drogenszene und kommt zum Schluss, «dass Anker wohl ein Kind in einer Stubenecke gemalt hätte, das sich gerade einen Schuss setzt». Es sind diese kurzen, unerwarteten Filmmomente, die «Mein Anker» vor der Beliebigkeit retten.