Né à Belfond
Versteckt geboren
Ein Film von Christa Miranda
Dokumentarfilm, 58min, SRF, Sternstunde Religion, 3sat
Buch und Regie: Christa Miranda
Kamera: Daniel Leippert
Ton und Drohne: Olivier JeanRichard
Musik: Sandra Stadler
Schnitt: Mirjam Krakenberger
Postprod.Ass: Lars Wicki
Grading: Peche Guyer, doc&post
Tonschnitt: himex sounddesign
Mischung: Peter von Siebenthal
Produzent: Pedro Haldemann, Insertfilm AG
Ko-Produktion: SRF Sternstunde Religion, 3sat
«La Kinderfabrik» nannten Einheimische das Geburtshaus für ledige junge Schwangere im Jura. Abgelegen und versteckt haben Mütter wie Agnes geboren, kamen Kinder wie Nicole und Urs auf die Welt und wurden adoptiert.
Agnes wird als 16Jährige schwanger. Weil niemand etwas erfahren darf, wird sie quer durch die Schweiz in ein Mütter- und Säuglingsheim im Jura verfrachtet. Das Baby darf sie nach der Geburt nicht sehen, es wird gegen ihren Willen zur Adoption gegeben.
Wenig später wird im selben Heim in Belfond Nicole geboren. Sie kommt in eine Pflegefamilie, die sie danach adoptiert. Später sucht und findet sie ihre leibliche Mutter und entdeckt, dass ihr vermögender biologischer Vater sich mit einem Schweigevertrag freigekauft hat. Auch Urs wird in Belfond geboren und adoptiert. Im reifen Alter entdeckt er seine leiblichen Cousine und die Umstände seiner Geburt.
Agnes, Nicole und Urs sind drei von zahlreichen Menschen, die an diesem Ort Lebensbrüche erlebt haben, oder deren Leben hier mit einem Drama begonnen haben. Die 920 Kinder, die zwischen 1952 und 1978 hier zur Welt kamen, werden wohl nie genau wissen, was hier geschah; viele Unterlagen sind vernichtet. Die katholische Schwesterngemeinschaft Seraphisches Liebeswerk Solothurn (SLS) hat das Heim geführt. Warum kamen die ledigen Schwangeren hierher? Wie sah der Alltag aus? Wie kamen die Kinder zur Adoption, und welche Auswirkungen hatte der schwierige Start auf ihr weiteres Leben?
Im Zentrum des Filmes steht das heute leerstehende Gebäude und der Ort Belfond. Agnes taucht in die Erinnerungen an eine unerbittliche Jugend voller Gewalt und Verbote, Nicole und Urs folgen den Spuren ihrer Geburt und finden Hinweise sowie neue Fragen. Eine betagten Hebamme, die Nachbaren, Schwestern der SLS und weitere Zeitzeug:innen schildern ihre Sicht auf die Geschichte des Geburtshaus für «gefallene Mädchen» in Belfond.
Presse-Materialen / Matériel pour la presse et autres
Soloothurner Zeitung
Wie in der «Kinderfabrik» Hunderte im Versteckten gebären mussten – und welche Rolle Solothurner Ordensschwestern dabei spielten
Abgelegen im Jura betrieb das Seraphische Liebeswerk Solothurn ein Heim für «gefallene Mädchen». Bis in die späten 1970er-Jahre brachten ledige Schwangere dort ihren Nachwuchs zur Welt, viele der Kinder wurden zur Adoption freigegeben. Die Hintergründe wurden nie aufgearbeitet.
Christof Ramser
10.05.2024, 12.35 Uhr
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«La Kinderfabrik» nannten die Einheimischen den Weiler auf einer einsamen Waldlichtung. Bis 1978 wurden hier 920 Kinder geboren, viele wurden direkt zur Adoption freigegeben.
Zum Beispiel Agnes. 16-jährig wird sie schwanger. Eine Schande für die streng katholische Bauernfamilie. Niemand darf erfahren, dass sie als Ledige bald einen Bauch bekommen wird. Von ihrer Mutter und der Schwester wird Agnes durch die halbe Schweiz verfrachtet, so weit weg wie nur möglich. Das Ziel: ein Mutter- und Säuglingsheim im Jura. «La Kinderfabrik» nennen die Einheimischen den Weiler auf einer einsamen Waldlichtung unweit des Doubs und der französischen Grenze.
1964 bringt Agnes in Belfond ein Mädchen zur Welt. Sie darf es nach der
https://www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/kanton-solothurn/katho…elche-rolle-solothurner-ordensschwestern-dabei-spielten-ld.2617396
Seite 1 von 7 Solothurner Ordensschwestern betrieben Heim für “ gefallene Mädchen“
Geburt weder sehen geschweige denn im Arm halten. Der Säugling wird der jungen Mutter weggenommen und zur Adoption freigegeben.
Zwischen 1952 und 1978 kamen in diesem Heim für «gefallene Mädchen» 920 Kinder zur Welt. Im Versteckten, angeordnet von Eltern, Ärzten, Pfarrern und Vormundschaftsbehörden. Ein Fünftel von ihnen wurde direkt zur Adoption freigegeben.
Agnes durfte ihren Säugling nach der Geburt nicht im Arm halten.
Betrieben wurde die Institution für ledige Schwangere vom Seraphischen Liebeswerk. Die katholische Schwesterngemeinschaft in Solothurn führte mehrere Kinderheime und eine Vermittlungsstelle für Adoptionen. Sie spielte eine gewichtige Rolle bei der Platzierung von Kindern im Rahmen fürsorgerischer Zwangsmassnahmen. Gemäss dem Historiker Andreas Fankhauser funktionierte das Seraphische Liebeswerk als «Drehscheibe in der katholischen Deutschschweiz».
Ein Mantel des Schweigens
Agnes ist Protagonistin im Film «Né à Belfond – versteckt geboren», der am Muttertag auf SRF ausgestrahlt wird und von der Solothurner Insertfilm von Pedro Haldemann produziert wurde. Darin arbeitet die Filmemacherin Christa Miranda die Geschichte dieses Geburtshauses auf. Darauf gestossen ist sie bei einem Spaziergang mit einer Freundin unweit von Saignelégier. «Es war in der Gegend bekannt gewesen, was dort geschah», sagt die Autorin und Regisseurin. «Gross darüber geredet wurde aber nicht.»
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