Max Frisch
Rede zum 75. Geburtstag im Landhaus Solothurn
Ein Film von Insertfilm
Besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfuhr der 75. Geburtstag von Max Frisch. Anlässlich der Solothurner Literaturtage, die vom 9. bis 11. Mai 1986 stattfanden, hörte der Autor mehrere Festreden und richtete als Antwort eine vielbeachtete Ansprache an die Kolleginnen und Kollegen: Am Ende der Aufklärung steht das Goldene Kalb, so der Titel seiner hochpolitischen Rede. Die Aufklärung, so Frisch, sei gescheitert. «Mein Eindruck: – man möchte nicht wissen, sondern glauben. […] Und vernünftig ist, was rentiert.»[7]
«Wohin richtet sich die Hoffnung?», fragt Max Frisch. Und sieht eine Zukunft im «Widerstand mit dem Ziel, dass der Geist der Aufklärung sich durchsetzt […] zu neuen und anderen Versuchen eines Zusammenlebens von mündigen Menschen.»[8] Er selbst, der alte Mann, sei müde geworden. Aber eines behalte Bedeutung für ihn: die Freundschaft.
Mit seinen Freundinnen und Freunden feierte Max Frisch dann weiter. Einige Tage nach dem Auftritt in Solothurn lud er zu einem Fest an ungewöhnlichem Ort. Ein Zirkusfest sollte es werden – vielleicht eine Anspielung auf das Tingeltangelleben, das die Existenz eines Schriftstellers mit sich bringt, oder ganz einfach eine kindliche Lust, die Frisch sich behalten hatte. Frisch war leidenschaftlicher Zirkusgänger. Die Besuche des Zirkus Knie, der jedes Jahr im Mai – also im Geburtstagsmonat von Frisch – auf dem Sechseläutenplatz gastierte, erklärte er zu seiner privaten Wiegenfesttradition. Anlässlich seines halbrunden 75. Geburtstags lud Frisch also, seiner Vorliebe folgend, in die Manege ein. Mit Unterstützung der Truppe vom Zirkus Federlos und mit Hilfe seiner Sekretärin Rosemarie Primault organisierte man dieses private Fest an einem zunächst geheimen Ort.